Heute reden wir an dieser Stelle über Schönheit und Andersartigkeit. Wenn ich in einem Raum stehe, voll von wunderschönen, bodygebuildeten Menschen, bin ich dann hässlich? Wenn der Einäugige im Land der Blinden König ist, was ist dann ist der Blinde im Land der Einäugigen?

Das Andersartige, der Andere, im Sinne des „Other“, wird oft sehr negativ konnotiert. Und doch sind weite Teile der Gesellschaft sich einig, dass Vielfalt etwas Schönes und Erstrebenswertes ist – von allen kulturellen und wirtschaftlichen Diversitätsbestrebungen im Mainstream bis hin zu politischen Ansätzen der Europäischen Union, die die Vielfalt kurzum zu ihrer Brand Identity gemacht hat. Ihr offizieller Slogan ist „Einheit durch Vielfalt“. Alle orwellschen Assoziationen, die sich beim Rezipieren dieser Satzstruktur auftun, überlesen wir jetzt mal stur.

Das „Andere“ ist gut. In Filmen und Serien sehen wir das ständig. Nehmen wir nur mal die allgegenwärtigste und greifbarste aller Erzählungen der heutigen Popkultur: Die Superhelden-Saga. Diese lässt sich passenderweise in zwei Teile teilen, in die Origin Story und den Kampf gegen Widersacher. Der Superheld ist zuallererst konfrontiert mit seiner Andersartigkeit. Er merkt, dass er stärker, schneller, reicher, unsichtbarer oder radioaktiver ist als andere Menschen. In diesem Abschnitt ist er nicht nur eine Bereicherung sondern gerade die Raison d’être des gesamten Handlungsgefüges. Qualifiziert durch seine Andersartigkeit.

Dann findet der Held in seine Rolle. Er wird zu einem regelrechten (Franchise-)Apparat. Er produziert Erfolge, im Kampf gegen Verbrecher ebenso wie an den Kinokassen. Es folgen Sequels. Er wird womöglich Teil einer Superheldengruppe. Super sein wird das neue Normal. Auch das Publikum gewöhnt sich an den Standard. Bevor es aber langweilig wird, tritt der Widersacher auf den Plan. Dieser hat nicht nur eine diametral gegensätzliche Wertvorstellung zu unserem supertollen, perfekten Helden, oftmals hat er eine tragische Geschichte, hat selbst überhaupt keine Superkräfte abseits von hoher Intelligenz (Lex Luthor, Dr. Octopus, Joker, der Grüne Goblin, die Liste ist lang). Dieses flussersche Spiel gegen den Superapparat, das Streben nach der Zerstörung der Rilk’schen Apollon-Büste (sorry, ich hab’s gleich) ist gerade das, was den Schurken im zweiten Teil der Superheldengeschichte zur größten narrativen Berreicherung macht.

Das Prinzip währt natürlich nicht nur für den Plot, auch für Filmtechnik, Schnitt, Orchestrierung et al. gilt: Anders (als die Norm) ist oftmals besser. Naja, wo war ich… Ach, was soll’s. Warum ich diesen Exkurs unter ein in seiner Perfektion ach so langweiliges Norm-Latte Art meines Back-Up-Baristas schreibe, weil Marcus schon wieder nicht da war, haben inzwischen ja alle verstanden. Super-Schönheit ist gänzlich unschön, wenn sie reproduziert wirkt. Das gilt für die disneysche Superheldendruckerei ebenso wie für obige Kaffeepalme (oder wie das heißt). Ich will wieder Kleckse, ich will Lieblosigkeit. Ich will’s halt einfach anders. Grummel.